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Erlaubt die Redefreiheit, in der Öffentlichkeit zu lügen?

Scholastiker - Thu, 05/11/2017 - 10:08


Die Gesellschaft fürAnalytische Philosophie (GAP) schreibt regelmäßig den sogenannten „GAP Essaypreis“ aus. So auch im Jahr 2017. Die Ausschreibung richtet sich primär an Studierende der Philosophie. In den meisten Fällen handelt es sich bei den ausgeschriebenen Themen um solche aus dem Bereich der Ethik, so auch die aktuelle Frage. Das für 2017 gewählte Thema ist durchaus aktuell, denn es betrifft u.a., zumindest indirekt, die Frage nach der Zensur von sogenannten Fake-News, also Nachrichten, insbesondere in den sozialen Netzwerken, die eindeutig falsch, also gelogen sind. Der Bundesjustizminister Heiko Maas plant derzeit ein Gesetz, mit dessen Hilfe die Betreiber von sozialen Netzwerken gezwungen werden sollen, solche Falschmeldungen zu löschen.



Natürlich gibt es keinen direkten Schluss von der Beantwortung der Frage, ob die Redefreiheit Lügen in der Öffentlichkeit gestattet zum Verbot von Fake-News, aber die Beantwortung der Preisfrage liefert zumindest eine wichtige Voraussetzung zur Antwort auf die Frage nach einem möglichen Gesetz, dass Betreiber sozialer Netzwerke auffordert, eindeutige Falschmeldungen zu löschen.


Da Scholastiker sein Universitätsstudium schon vor vielen Jahren abgeschlossen hat, gehört er nicht zu der Gruppe von Personen, die einen Essay zu der Preisfrage einreichen können. Ich möchte gleichwohl einige Anmerkungen zu diesem Thema machen und zwar, wie immer in diesem Blog, auf der Grundlage der aristotelisch-scholastischen Philosophie.


Ganz allgemein lässt sich die Frage folgendermaßen beantworten:


     1.     Lügen ist in jedem Fall moralisch verboten
     2.     Die Veröffentlichung von Lügen ist daher ebenso verboten, wie die private Lüge. Öffentliche Lügen können unter Umständen sogar moralisch verwerflicher sein, als private Lügen, da sie einen weiteren Personenkreis betreffen und dadurch weitreichendere Folgen haben als private Lügen.
     3.     Also sind Lügen in der Öffentlichkeit in jedem Fall moralisch verboten


Während die Pflicht, stets die Wahrheit zu sagen, zu den natürlichen Pflichten gehört, ist das Recht auf freie Rede kein natürliches Recht, sondern Teil des positiven Rechts. Da in der Ordnung der Rechte und Pflichten die natürlichen Rechte und Pflichten stets den Vorrang vor positiven Rechten haben, kann die Pflicht, stets die Wahrheit zu sagen, nicht durch ein Recht auf freie Rede eingeschränkt werden.


Soweit die allgemeine Argumentation, die bei einigem Nachdenken bei den meisten Menschen auf Zustimmung stoßen dürfte. Auch die kantische Ethik würde dieser Argumentation folgen, wenn auch ohne den Hinweis auf natürliche Rechte und Pflichten.


Man könnte nun allerdings die 1. Prämisse, dass Lügen in jedem Fall moralisch verboten ist, in Frage stellen und z.B. Ausnahmen konstruieren, bei denen diese Prämisse nicht gültig ist (z.B. Situationen im Krieg oder unter Zwang etc.). Daher bedarf die 1. Prämisse einer weiteren Begründung.


Unter „Lügen“ versteht man die bewusste Falschaussage. Jemand, der eine Lüge weitererzählt, allerdings nicht weiß, dass es sich um eine Lüge handelt, dem also die Lüge als solche nicht bewusst ist, lügt nicht. Mit der bewussten Falschaussage wird im Allgemeinen eine bestimmte Absicht verfolgt, z.B. wird gelogen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, aus Angst vor Strafe oder um einer anderen Person zu schaden.


Doch warum ist die Lüge moralisch böse? Ich kann hier in einem kurzen Blogbeitrag natürlich nicht die ganze Theorie des Guten und die Negation des Guten, besser die Privation des Guten, wiederholen. Dazu finden Sie verschiedene Beiträge im Blog. Kurz gesagt besteht das Gute darin, dass es zur Erfüllung der Wesenheit einer Entität beiträgt. Zur Erfüllung der Wesenheit eines Menschen trägt die Wahrheit bei. Ohne Kenntnis der Wahrheit würden wir ständig in die Irre gehen, Fehler machen, uns in Gefahr begeben usw. Die Lüge ist die bewusste Fälschung der Wahrheit, die dadurch diese negativen Folgen zeitigt. Und diese negativen Folgen erfährt nicht nur der Belogene, sondern auch der Lügner selbst, obwohl dies oft nicht unmittelbar sichtbar und erfahrbar wird. Ausführliche Argumente zu dieser Frage finden Sie in dem in diesem Jahr erschienen GrundkursPhilosophie VI: Natürliche Ethik, von Rafael Hüntelmann.


Muss der Lügner bestraft werden? Grundsätzlich gilt, dass nicht alles, was moralisch böse ist, auch juristisch bestraft werden muss. Unhöflichkeit ist zweifellos moralisch verwerflich, allerdings wäre es nur unter einer harten Diktatur, wenn überhaupt, möglich, Unhöflichkeit juristisch zu verfolgen und zu bestrafen. Daher ist es auch nicht möglich, die Lüge grundsätzlich juristisch zu verbieten und zu bestrafen. Wer vor Gericht lügt oder in anderen bestimmten Situationen, der wird zu Recht bestraft, da es vor Gericht um die Wahrheitsfindung für ein juristisches Urteil geht. Es gibt allerdings auch andere Situationen, bei denen eine Lüge auch juristische Konsequenzen hat, z.B. wenn die Lüge eine bestimmte Person eindeutig beleidigt oder ihr einen Schaden zufügt.


Die Redefreiheit bezieht sich in erster Linie auf die freie Meinungsäußerung. Eine Meinung ist entweder wahr oder falsch, allerdings steht dies bei einer Meinung nicht eindeutig fest. Daher ist die Wahrheitsfrage in Bezug zu Meinungen offen, d.h. es steht nicht fest, welche von verschiedenen Meinungen über einen Gegenstand wahr ist. Insofern ist eine Meinung weder eine Lüge, noch eine wahre Aussage. Zur Meinungsbildung ist freilich die Erkenntnis der Wahrheit eine Voraussetzung, der Wahrheiten, die für die Meinungsbildung und die Urteilsbildung erforderlich sind. Wer hier lügt, handelt natürlich moralisch verwerflich, es dürfte aber bis auf wenige und eindeutige Ausnahmen sehr schwierig bis unmöglich sein, solche Lügen juristisch zu identifizieren und zu verfolgen. Ausnahmen sind die Fälle, die bereits jetzt vom Gesetz abgedeckt werden.

Sieben Thesen der natürlichen Ethik

Scholastiker - Sat, 04/15/2017 - 12:39
Scholastiker veröffentlicht hier die 7 Thesen zur natürlichen Ethik, die eine recht gute Kurzfassung der Grundlagen der natürlichen Ethik darstellen und die ich aus dem Grundkurs Philosophie VI. Natürliche Ethik entnommen habe, der im Januar erschienen ist.







1. Alles, was existiert, hat eine Wesenheit oder eine Natur.
Die Wesenheit oder Natur einer Entität ist das, was diese ist. Sie lässt sich prinzipiell in einer Definitionausdrücken, auch wenn dies in vielen Fällen nicht einfach oder überhaupt gar nicht möglich ist. Keine einzige Wesenheit ist für uns vollständig erkennbar, doch ist dies auch nicht erforderlich, um Wesenheiten grundsätzlich erkennen zu können. Es ist ein oft geäußerter Einwand gegen die Behauptung, dass es Wesenheiten gibt, dass diese nur unklar erkennbar sind. So gibt es z. B. bei vielen Wesenheiten die Schwierigkeit einer klaren Abgrenzung von anderen Wesenheiten. Als Beispiel kann man hier die Abgrenzung zwischen Baum und Strauch anführen. Dennoch weiß jeder, was ein Baum und was ein Strauch ist, auch wenn dies in bestimmten Fällen nicht genau bestimmt werden kann. Es gibt freilich viele weitere Einwände gegen die Annahme von Wesenheiten. Wer aus welchen Gründen auch immer Wesenheiten grundsätzlich abstreitet, kann die Argumentation der natürlichen Ethik nicht nachvollziehen.
2. Die Tätigkeit eines Existierenden folgt aus seiner Wesenheit oder Natur.
Wenn es Wesenheiten gibt, dann folgt aus ihnen die Tätigkeit derjenigen Dinge, die diese Wesenheiten haben. Mit anderen Worten ausgedrückt: Die Naturgesetze sind Gesetze der Naturen, der Wesenheiten. Dass eine Rose im Sommer blüht, wenn die entsprechenden Bedingungen gegeben sind, folgt aus der Natur der Rose.
3. Auch der Mensch hat eine Wesenheit, und aus dieser folgt seine Tätigkeit und sein Handeln.
Alle Tätigkeiten und Handlungen des Menschen sind menschliche Handlungen. Sie folgen aus seiner Natur als der eines rationalen (vernunftbegabten) Sinnenwesens. Dass Menschen lachen, ist eine menschliche Tätigkeit, ebenso wie dass Menschen Philosophie studieren.
4. Jede Tätigkeit einer Wesenheit ist auf ein Ziel oder einen Zweck gerichtet.
Tätigkeiten sind nie sinn- oder zwecklos, sondern sind stets intentional, d. h. auf ein Ziel gerichtet. Dies gilt nicht nur von menschlichen Handlungen – wenn auch hier in besonderem, d. h. bewusstem Sinne –, sondern ebenso von allen anderen Lebewesen. Die Balz der Vögel ist letztlich auf die Erhaltung der Art gerichtet, wenn dies den Vögeln auch überhaupt nicht bewusst ist oder bewusst sein muss. Das Ziel jeder Tätigkeit ist stets irgendein Gut, z. B. die Fortpflanzung und die Erhaltung der Art; die Ernährung, die das Ziel der Selbsterhaltung hat; der Fluchtinstinkt oder das Anschleichen der Raubkatze, die ebenfalls der Selbsterhaltung dienen.
5. Während die Tätigkeit der unbelebten und belebten Entitäten nicht frei ist und sie stets in derselben Weise tätig sind und dabei ihre vorgegebenen Ziele zumeist erreichen, ist der Mensch frei und kann in einer Weise handeln, die seinem Ziel widerspricht.
Aus den zuvor erwähnten Beispielen wird deutlich, dass Tiere, aber ebenso auch Pflanzen und die unbelebte Natur gesetzmäßig tätig sind, d. h. dass diese Lebewesen nicht frei tätig sind, sondern z. B. bestimmten Trieben folgen. Die Tätigkeit der Atome und Moleküle folgt bestimmten Gesetzen, die von der Physik und Chemie beschrieben werden, und diese Gesetze folgen aus der Natur der Atome und Moleküle. Heliumatome z. B. verbinden sich nicht mit anderen Atomen, während Wasserstoffatome reaktionsfreudig sind. Auch verschiedene Tätigkeiten des Menschen, wie der Herzschlag und die Funktionen anderer innerer Organe, folgen diesen physikalisch-chemischen Gesetzen. Doch darüber hinaus kann der Mensch sich frei entscheiden. Wie bei allen anderen Entitäten ergeben sich auch aus der menschlichen Natur objektive Ziele, doch der Mensch kann diesen Zielen zuwiderhandeln. Die Ernährung dient der Selbsterhaltung und hat beim Menschen darüber hinaus auch kulturelle und soziale Zwecke. Wer jedoch mehr isst, als den Zwecken der Selbsterhaltung zuträglich ist, der wird nicht nur auf Dauer krank, sondern handelt den objektiven Zielen seiner Natur zuwider (woraus die Krankheit folgt). Der Besitz von Eigentum ist zweifellos ein Gut, das zur Erhaltung der menschlichen Natur erforderlich ist, aber auch zum Unterhalt der Familie, und das viele weitere Zwecke verfolgt. Wer sich diesen Besitz aber durch einen Banküberfall oder Einbruch erwirbt, handelt gegen die menschliche Natur. Diese Möglichkeit hat das Tier nicht; es handelt nicht gegen seine Natur, sondern verfolgt die vorgegebenen objektiven Zwecke seiner Natur, auch wenn es dabei nicht immer erfolgreich sein muss.
6. Die sich aus der menschlichen Natur ergebenden Ziele oder Zwecke sind der objektive Maßstab für die Pflichten und Rechte des Menschen.
Bei den fundamentalen Pflichten und Rechten des Menschen sind es entsprechend auch die grundlegenden Ziele der menschlichen Natur, aus der sich diese ergeben. Der Mensch ist ein rationales Wesen; dies ist die spezifische Differenz seiner Natur zum Tier. Daraus folgt, dass alle Tätigkeiten und Handlungen des Menschen so sein sollen, dass sie von der Rationalität bestimmt werden. Dies bedeutet, dass die körperlichen und emotionalen Triebe oder Bedürfnisse den rationalen Erfordernissen untergeordnet werden müssen. Im Unterschied zum Tier ist der Mensch auf ein letztes Ziel gerichtet, nämlich die ewige Glückseligkeit, eudaimonia, wie es bei Aristoteles heißt. Dass diese Glückseligkeit nicht in irgendeinem endlichen Gut bestehen kann, wussten bereits Platon und Aristoteles, die beide diese Glückseligkeit in der philosophischen Erkenntnis und besonders in der höchsten philosophischen Erkenntnis erblickten, nämlich der Erkenntnis Gottes. Dementsprechend sollen die menschlichen Handlungen so geordnet sein, dass sie diesem letzten Ziel zumindest nicht widersprechen. Dies bedeutet, dass jede andere Tätigkeit als Mittel dem letzten Ziel untergeordnet werden soll.
7. Eine den menschlichen Zielen zuwiderlaufende freie und bewusste Handlung ist moralisch schlecht oder böse; eine freie und bewusste Handlung, die im Einklang mit den natürlichen Zielen oder Zwecken des Menschen steht, ist moralisch gut.
Die moralischen Eigenschaften Gut und Böse ergeben sich entsprechend aus den Zielen der menschlichen Natur, denn gut ist das, was diesen Zielen entspricht. Da der Mensch sich nur verwirklichen kann, solange er lebt, wird ihm das wichtigste Gut genommen, wenn man ihn tötet. Und dies ist unabhängig davon, ob er krank ist oder sehr schwer leidet, denn auch das persönliche Leid ist nicht ein Hinderungsgrund zur Erreichung des letzten Zieles, sondern kann sogar ein besonderes Mittel dazu sein. Daraus folgt das fundamentale Recht auf Leben. Alle weiteren Rechte und Pflichten lassen sich auf dieser Grundlage ableiten.

Ist es moralisch geboten, Notleidenden aus fernen Ländern zu helfen?

Scholastiker - Tue, 03/14/2017 - 13:28


Im Hintergrund der Debatte um die Migration nach Europa steht die Frage, ob es moralisch geboten ist, Menschen die sich in einer schweren Notlage befinden (Hunger, Armut, Krieg, Verfolgung etc.) zu helfen. Diese Frage beinhaltet einige Vorfragen, die zunächst beantwortet werden müssen, um diese Frage zu beantworten. Diese Vorfragen lauten:(a)   Wann ist eine Handlung geboten?      (b)   Was meint „ferne Länder“?(c)   Wer ist derjenige, der helfen soll? Die Antworten auf diese Fragen werden auf der Grundlage des klassischen, aristotelisch-thomistischen Naturrechts zu geben versucht.


(a)   Wann ist eine Handlung geboten?
Für die Antwort auf diese Frage gibt es ein naturrechtliches Prinzip: Unterlassungen können von Jedem gefordert werden, Handlungen setzen immer ein Können voraus. Dies bedeutet für die Frage, ob wir Notleidenden helfen müssen, dass wir dies dann müssen, wenn wir dazu in der Lage sind. Wie diese Hilfe aussieht, was konkret zu tun ist, ist damit natürlich noch nicht beantwortet. Auf jeden Fall aber kann man sagen, dass es geboten ist, alles zu unterlassen, was die Situation der Notleidenden verschlechtert. Dies bedeutet z.B., dass hier in Deutschland lebenden Flüchtlingen bzw. Migranten in keiner Weise Schaden zugefügt werden darf, z.B. durch Beleidigungen, Verachtung, Diskriminierung etc. Man ist verpflichtet, diesen Menschen ebenso mit Höflichkeit und Achtung zu begegnen, wie wir sie jedem anderen Menschen, den wir nicht näher kennen, entgegenbringen.
Wenn wir dazu in der Lage sind (zeitlich, wirtschaftlich oder wie auch immer) und wir mittelbar oder unmittelbar mit der Not von Menschen konfrontiert sind, dann sind wir verpflichtet, diesen Notleidenden zu helfen. Unmittelbar bedeutet z.B., dass uns ein Notleidender direkt anspricht und um Hilfe bittet. Mittelbar bedeutet z.B., dass unsere Gemeinde die Bürger aufruft zu Kleider- und anderen Spenden für hier eingetroffene notleidende Menschen. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um Menschen aus fernen Ländern oder um Einheimische handelt, sofern sie in unserer Gemeinde oder Stadt wohnen und wir mit deren Situation konfrontiert werden.

(b)   Was meint „ferne Länder“?
Mit dem Begriff „ferne Länder“ meine ich hier Länder, die nicht an unserem Heimatland (in unserem Falle Deutschland oder Österreich oder Schweiz) angrenzen und die auch nicht zu unserem Kulturkreis gehören, in unserem Fall also nicht zu Europa gehören. Dies sind also in erster Linie alle die Länder, die auf einem anderen Kontinent liegen.
Das Naturrecht hat nun ein recht einfaches und unmittelbar einsichtiges Prinzip für die Verpflichtung zur Hilfe. Dieses Prinzip, das sich schon bei Aristoteles findet, beruht auf der Nähe. Je näher mir eine Person steht, umso größer ist die Verpflichtung zur Hilfeleistung. Daraus folgt, dass ich unmittelbar verpflichtet bin, den Angehörigen meiner Familie zu helfen, also meinem Ehepartner, meinen Kindern, meinen Eltern und Großeltern und dann weiter den Freunden, Kollegen, Nachbarn und den Einwohnern meiner Gemeinde. Je weiter ein Notleidender entfernt ist, desto weniger besteht eine Verpflichtung zur Hilfeleistung, auch wenn ich dazu in der Lage bin. An diesem Prinzip ändert selbstverständlich auch die Globalisierung nichts, denn es handelt sich nicht um ein Prinzip räumlicher Nähe, sondern personaler Nähe. Wenn meine Verwandten in den USA Not leiden, macht dies keinen Unterschied zu Verwandten, die im Nachbarhaus wohnen. Der christliche Begriff der „Nächstenliebe“ meint übrigens genau dies: Nächstenliebe ist nicht Fernstenliebe. Menschen in der Ferne, d.h. solche Menschen, denen ich im oben genannten Sinne persönlich in keiner Weise verbunden bin, kann ich nur wirklich lieben, wenn ich die nächsten Menschen in meiner Umgebung liebe.

(c)   Wer ist derjenige, der helfen soll?
Natürlich bin zunächst einmal ich selbst es, der zur Hilfe unter den genannten Voraussetzungen verpflichtet ist. Ich kann nicht eine andere Person verpflichten, jemandem zu helfen, es sei denn unter bestimmten Bedingungen, z.B. wenn ich dessen Erziehungsberechtigter bin oder sofern ich die Autorität dazu besitze, wie Amtspersonen unter ganz bestimmten Bedingungen, die ich hier nicht diskutieren möchte. Alles bisher gesagte bezieht sich auf die Individualethik. Aus dieser folgt, dass es so gut wie keinerlei Verpflichtung gibt, Menschen aus fernen Ländern zu helfen, sofern sie in diesen Ländern leben. Das schließt natürlich nicht aus, dass ich diesen Menschen dennoch helfen kann, wenn ich mich dazu in der Lage sehe und meiner Pflichten hier dadurch nicht beeinträchtigt werden, und dass eine solche Hilfe für Notleidende in fernen Ländern auch durchaus lobenswert ist. Viele Beispiele aus der Geschichte des Christentums zeugen von einem heroischen Opfergeist für das Wohl von Menschen in fernen Ländern.
Bei der Frage, wer helfen soll, im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingskrise geht es nicht primär um eine individualethische Frage, sondern um die Sozialethik. In der öffentlichen Diskussion wird dieser Unterschied so gut wie überhaupt nicht beachtet, obwohl davon so gut wie alles abhängt. Für die Individualethik lässt sich die Frage klar und eindeutig beantworten, wie ich gerade deutlich gemacht habe. Wenn wir jedoch sagen, dass derjenige der helfen soll, der Staat ist – und genau dies trifft zu bei der sogenannten Flüchtlingskrise – dann ergibt sich ein anderes Bild. Der Staat oder jede andere Gemeinschaft bzw. Gesellschaft ist keine Person oder ein Individuum und daher ist die hier zur Anwendung kommende Ethik auch nicht die Individualethik. Welche Prinzipien gelten für die Sozialethik bezüglich der Frage, ob man, d.h. der Staat, verpflichtet ist, Menschen aus fernen Ländern zu helfen?
(d)  Ist der deutsche Staat verpflichtet, Menschen aus fernen Ländern zu helfen?
Nach naturrechtlicher Auffassung bestehen alle Gemeinschaften und Gesellschaften, d.h. alle sozialen Institutionen um eines Zweckes bzw. Zieles willen. Diese Ziele oder Zwecke können von Gesellschaften frei gewählt werden, z.B. durch die Satzung eines Fußballvereins oder einer Aktiengesellschaft, oder sie sind von der Natur vorgegeben, wie bei der Familie und beim Staat. Die natürlichen Gemeinschaften wie Familie und Staat haben im Unterschied zu den nicht-natürlichen, freien Gesellschaften wie Fußballverein und Aktiengesellschaft ein objektives Ziel. Das Ziel bzw. der Zweck des Staates ist das Gemeinwohl. Das Gemeinwohl ist nicht identisch mit dem Individualwohl, obwohl der Liberalismus dies oft zumindest implizite annimmt, was freilich schon durch einfaches Nachdenken sich als falsch erweist. Es ist allerdings durchaus zutreffend, wenn man sagt, dass das Gemeinwohl in letzter Konsequenz dem Wohl aller Einzelnen dient.
Was nun genau das Gemeinwohl ist, kann man nicht so einfach sagen. Es gibt verschiedene Definitionen des Begriffs „Gemeinwohl“, die vorwiegend formaler Natur sind und die ich mir hier erspare. Ganz allgemein lässt sich das Gemeinwohl in einer engen Verbindung mit der Gerechtigkeit bestimmten, wobei der Begriff der Gerechtigkeit nicht identisch ist mit dem Begriff der sozialen Gerechtigkeit, die nur ein sehr kleiner Teil dessen ausmacht, was Gerechtigkeit bedeutet. Der Begriff der Gerechtigkeit wiederum lässt sich durch den Begriff der Subsidiarität erklären, wonach keiner Person, keiner Institution oder keiner sozialen Gemeinschaft eine Aufgabe abgenommen werden darf, die diese aus eigener Kraft selbst erledigen kann. Die nächsthöhere gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Institution darf nur dann einer untergeordneten Institution (oder Person) helfen, wenn diese selbst dazu nicht in der Lage ist und dann auch nur in dem Sinne, dass sie diese wieder in die Lage versetzt, wieder selbständig ihre Aufgabe zu erfüllen. Auf diesem Prinzip beruht z.B. die Sozialhilfe des Staates – besser gesagt, sie sollte darauf beruhen.
Wenn nun das Gemeinwohl auch nicht inhaltlich präzise und für jeden einzelnen Fall anwendbar definiert werden kann, so lässt sich in vielen Fällen unmittelbar sagen, dass diese oder jene Tätigkeit des Staates nicht dem Gemeinwohl dient. Steuerverwendung ist z.B. deshalb zu verurteilen, weil sie dem Gemeinwohl schadet. Würde der Bundesstaat in Angelegenheiten der Länder eingreifen, obwohl die Länder diese Aufgaben zur Zufriedenheit der Bürger gut erledigen, so wäre auch dies ein Schaden für das Gemeinwohl.
Die Fragestellung in Bezug auf unser Thema kann nach diesen Vorbemerkungen nun genauer gestellt werden. Wenn das Gemeinwohl das Ziel bzw. der Zweck des Staates ist, dann müssen alle Handlungen des Staates diesem Ziel untergeordnet werden. Dies gilt natürlich auch für die Frage der Hilfe für Notleidende in fernen Ländern. Daher lässt sich die Frage dieses Beitrags in sozialethischer Hinsicht so formulieren:

(e)   Dient die Hilfe des Staates für Notleidende in fernen Ländern dem Gemeinwohl?
Diese Frage besteht aus zwei Teilen. (1) Dient es dem Gemeinwohl, wenn der deutsche Staat notleidenden Menschen in fernen Ländern in diesen Ländern hilft? (2) Dient es dem Gemeinwohl, wenn der deutsche Staat notleidende Menschen aus fernen Ländern ausnahmslos in Deutschland aufnimmt um ihnen hier zu helfen?
Was ist Antwort auf die erste Frage angeht, wird es heute kaum noch Menschen geben, die dies verneinen. Durch die zahlreichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Völkern, Nationen und Staaten bis hin zu den fernsten Ländern der Erde, gibt es kaum noch ein Land, das nicht mit einem anderen Land verbunden ist. Dies war vor hundert Jahren noch nicht oder weit weniger der Fall. Durch diese enge Verflechtung der Völker und Staaten ist eine Nähebeziehung selbst zu fernen Ländern entstanden, die es früher nicht gab und aus der moralische Verpflichtungen folgen, die es so in der Individualethik nicht gibt. Durch die modernen Massenmedien erfahren wir von Katastrophen in fernsten Ländern, was allerdings individualethisch noch keine Nähebeziehung konstituiert, wohl aber sozialethisch. Durch die oft engen wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Beziehungen zwischen unserem Land und den fernen Ländern kann eine Hilfe Deutschlands in diesen Ländern dazu führen, dass dies dem deutschen Gemeinwohl zugutekommt. Dafür ließen sich vermutlich sogar empirische Argumente finden, obwohl ich diese Fragen nicht empirisch beantworten will, denn es sind in erster Linie keine empirischen Fragen. Daher ist es heute üblich und auch richtig, bei Katastrophen in fernen Ländern, dass sofort eine international organisierte Hilfeleistung anläuft, an der sich alle Länder beteiligen, die dazu in der Lage sind. Selbstverständlich gilt nämlich auch für die Sozialethik, das eine Pflicht zur Hilfeleistung ein Können voraussetzt.
Man kann also den ersten Teil der Frage durchaus so beantworten, dass man feststellt, dass die Hilfe für notleidende Menschen in fernen Ländern dem eigenen Gemeinwohl dient. Daher wäre es sehr zu begrüßen, wenn durch den Krieg in Afghanistan, Syrien und dem Irak den betroffenen und flüchtenden Menschen vor Ort in Aufnahmelagern umfassende Hilfe zuteilwürde, die nicht nur in der Versorgung mit den Grundbedürfnissen bestehen sollte, sondern darüber hinaus in Schulbildung und anderen Erfordernissen bis zum Ende des Krieges in diesen Ländern. Wenn z.B. in Syrien Kinder in den Flüchtlingslagern über mehrere Jahre hinweg keine Schulbildung bekommen, kann dies dazu führen, dass diese Menschen später kaum in der Lage sind, am wirtschaftlichen Leben ihres Landes teilzunehmen, was wiederrum negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben kann.
Der zweite Teil der Frage, ob es dem deutschen Gemeinwohl dient, Menschen aus den Krisengebieten ausnahmslos aufzunehmen, um ihnen hier im Land zu helfen, wird wohl mit rationalen Argumenten kaum positiv zu beantworten sein. Allein die Kosten für Grundversorgung dieser Migranten und Flüchtlinge sind derartig hoch, dass dafür in Flüchtlingslagern in den betroffenen Regionen ein Vielfaches geleistet werden könnte. Diese Kosten könnte man rechtfertigen, wenn sie vorübergehend im Sinne einer staatlichen Investition entstehen und in absehbarer Zeit wieder zurückfließen. Doch dies ist bei einer unvoreingenommenen objektiven Betrachtungsweise nicht der Fall. Aber auch unabhängig von der wirtschaftlichen Seite, die leider heute immer in den Vordergrund gestellt wird, wenn es um die Frage des Gemeinwohls geht, ergibt sich der hauptsächliche Schaden für das deutsche oder europäische Gemeinwohl daraus, dass die Menschen die hierher kommen in der überwiegenden Zahl der Fälle aus einem völlig anderen Kulturkreis kommen und daher ihre Sitten und Gebräuche in sehr vielen Fällen nicht aufgeben wollen, um sie unseren abendländischen Sitten und Gebräuchen anzupassen. Dies führt zu einer weiteren Vertiefung der Spaltung der Gesellschaft und des Volkes, was ein viel größerer Schaden für das Gemeinwohl darstellt als die wirtschaftlichen Aspekte. Ohne gemeinsame Grundüberzeugungen, eine gemeinsame Kultur und Sprache ist keine Gemeinschaft überlebensfähig. Das Fehlen dieser Gemeinsamkeiten hat bereits seit den 1960er Jahren in vielen europäischen Nationen zu Spaltungen und Entfremdungen geführt, die für zahlreiche Probleme der modernen Gesellschaften verantwortlich sind. Durch die insbesondere muslimische Migration der vergangenen Jahrzehnte hat sich diese Situation weiter verschärft, was heute und besonders nach der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in vielen Ländern Europas zu einem, drastisch ausgedrückt, „geistigen Bürgerkrieg“ geführt hat, wodurch radikale Kräfte in der Politik stärker zunehmen und die Spaltung weiter vertiefen. Diese Spaltungen stellen einen schweren Schaden für das Gemeinwohl dar und können auf längere Zeit betrachtet verheerende Folgen für die europäischen Völker haben.

(f)    Freizügigkeit
In diesem Zusammenhang abschließend noch einige Worte zum Naturrecht auf Freizügigkeit. Jeder Mensch hat das Recht, sich dort niederzulassen, wo er seine eigenen Kräfte, Vermögen und Fähigkeiten am besten realisieren kann, wozu es gehört, dass er die jeweils vorherrschende Kultur als für ihn selbst am besten passend annimmt (was nicht heißen muss, dass er seine eigenen kulturellen, sozialen und anderen Gewohnheiten aufgeben muss).
Dem Recht auf Freizügigkeit steht das Recht des Staates entgegen, sich die Menschen auszusuchen, die in sein Land einwandern wollen. Allerdings gilt dies nur begrenzt und nur in extremen Fällen hat der Staat das Recht, Menschen davon abzuhalten, in das eigene Land einzuwandern, z.B. wenn klar absehbar ist, dass eine Gruppe die einwandern will, dem Gemeinwohl schadet. Daher gibt es nicht viele Fälle in denen der Staat das Recht hat, Menschen davon abzuhalten in sein Land einzuwandern.
Zur Freizügigkeit gehört aber ein anderer Aspekt, der heute selten beachtet wird. Jeder der in ein anderes Land einwandern will, darf sich dabei nicht auf die Hilfe der einheimischen Bevölkerung oder des Staates verlassen. Er muss einwandern im festen Bestreben, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften und er wandert in ein anderes Land in den überwiegenden Fällen von Migration genau deshalb ein, weil er die Erwartung hat, dass er im neuen Gastland dies besser realisieren kann, als in seiner Heimat. Gerade dieser Aspekt wird durch die staatliche Sozialfürsorge und die Gesetze vieler europäischer Staaten, die diese auch Migranten zusprechen, verzerrt. Von den vielen hunderttausend Menschen die in den vergangenen beiden Jahren nach Deutschland und Europa geflohen oder eingewandert sind, wäre bestenfalls ein kleiner Bruchteil hierhergekommen, wenn es hier keine Sozialhilfe gäbe, die nicht selten einem Betrag entspricht, mit dem sich in den Herkunftsländern oft mehrere Monate sehr gut leben lässt. Flüchtlinge fliehen aus ihrem Land um der Gefahr für Leib und Leben, die in ihrer Heimat durch Krieg, Hunger und andere Ursachen besteht, zu entfliehen. Diese Gefahr besteht aber oftmals schon nicht mehr in einer anderen Region desselben Landes oder in einem Nachbarland, so dass eine weitere Reise zu einem anderen Kontinent nicht erforderlich ist, wenn es um die Erhaltung von Leib und Leben geht.
Deshalb muss man nicht eine staatliche Beschränkung der Freizügigkeit fordern, sondern nur, dass Personen, die in unser Land einwandern, kein Recht auf Sozialhilfe bekommen, wie dies innerhalb der EU (zumindest prinzipiell) für Einwanderer aus anderen EU-Staaten gilt.
Dies sind die grundlegenden Schlussfolgerungen, die sich aus dem Naturrecht für das Problem der Migration und Flucht ergeben. Es wäre erfreulich, wenn die emotionalisierte Debatte in Deutschland, in der Argumente kaum noch eine Rolle spielen, durch eine rationale und ideologiefreie Diskussion sich wieder an objektive moralische Tatsachen orientieren würde. Ich habe in diesem Beitrag andere Argumente und Gegenargumente nicht berücksichtigt, weil es mir um die Darstellung der naturrechtlichen Position ging.

Ist das Gehirn ein Computer?

Scholastiker - Fri, 03/10/2017 - 09:52


Die Computertheorie des Gehirns ist in der Gegenwartsphilosophie weit verbreitet (z.B. P. Churchland; T.J. Sejnowski: The Computational Brain. Cambridge: MIT Press 1992). Auch außerhalb der Philosophie wird diese Auffassung vom Menschen nicht selten vertreten. Dagegen hat der amerikanische Philosoph John Searle, der kein Scholastiker ist, sondern ein Materialist, ein starkes und m.E. bisher unwiderlegtes Argument vorgetragen (The Rediscovery of the Mind, Cambridge, MA: MIT Press 1992). Ich meine hier nicht das bekannte „Chinese Room Argument“, mit dem Searle deutlich gemacht hat, dass die Syntax nicht hinreichend ist für die Semantik der Sprache und das sich gegen die Theorie einer Identität von mentalen und materiellen Eigenschaften richtet.


Das Argument gegen die Computertheorie des Gehirns richtet sich gegen das, was er „Kognitivismus“ nennt, nämlich eben die Auffassung, dass das Gehirn eine Art digitaler Computer ist. Während im Chinese Room Argument die Frage offenlässt, ob das Gehirn Informationen in einem syntaktischen Sinne verarbeitet, wird in seinem Argument gegen den sogenannten Kognitivismus genau dies bestritten.
Der Grundgedanke des Arguments lässt sich folgendermaßen deutlich machen:  mathematische Berechnungen (im engl. Als „Computation“ bezeichnet) beinhaltet in jedem Fall die physische Instanziierung von Symbolenoder Zeichenfolgen, wie z.B. beim Computer 0 und 1. Wenn man diese Symbole nicht interpretiert, d.h. wenn man ihnen keine bestimmte Bedeutung zuspricht, dann sind sie nicht Träger von semantischenInformationen. Sie haben zwar noch eine syntaktische Information, aber nur insofern, als wir sie als Symboleverstehen, wenn auch als uninterpretierte Symbole. Ohne unser Verständnis der Nullen und Einsen sind diese Zahlenketten völlig sinnlos. Die syntaktischen Regeln, die den Algorithmus ausmachen und durch den die Symbole des Inputs einen bestimmten Output erzeugen sind Regeln, die die physischen Zustände des Systems beherrschen und zwar als Symbole.
Searle argumentiert jetzt, dass der Status ein Symbol zu sein kein objektives oder intrinsischen Merkmal der physischen Welt ist. Das etwas ein Symbol ist beruht allein auf Konvention. Dass ein dreieckiges Schild mit rotem Rand „Vorfahrt beachten“ bedeutet, ist etwas, was von Menschen festgelegt wurde und nicht etwas, dass ein Dreieck schon an sich bedeutet. Das Gleiche gilt aber auch für Zahlen und Zahlenkolonnen. Dass „1“ „Einschalten“ bedeutet und „0“ „Abschalten“ haben Menschen festgelegt. Ohne diese Festlegung bedeutet „1“ oder „0“ überhaupt nichts. Die Bedeutung der Symbole ist abhängig vom Beobachter und nicht objektiv. Deshalb ist der Status von etwas, das „einem Algorithmus folgt“ oder „Informationen verarbeitet“ oder „berechnet“ ebenso bloß konventionell und nicht ein objektives, intrinsisches Merkmal irgendeines physischen Systems, also auch nicht des Gehirns. Computer rechnen und erarbeiten Informationen nach einem bestimmten Algorithmus nur deshalb, weil die Programmierer und Benutzer des Computers die elektronischen Zustände als Symbole verstehen. Egal was wir auch immer als einen Computer verstehen – das Gehirn, die Gene oder das Universum als Ganzes – sind nur dadurch „Computer“, weil wir sie in diesem Sinne verstehen, nicht aber weil sie dies an sich und objektiv wären. Man kann auch einen Baum oder jeden anderen natürlichen Gegenstand als eine Maschine verstehen, interpretieren, doch deshalb ist ein Baum nicht in sich, objektiv, eine Maschine. Es gibt einen objektiven Unterschied zwischen Artefakten, vom Menschen hergestellten Dingen, und natürlichen Dingen. Wir können in der Natur Dinge entdecken, die dieselbe Form haben wie z.B. ein Stuhl und wir können diese Dinge dann als Stuhl verwenden. Doch dies bedeutet, dass wir diese Dinge so interpretieren und verwenden. Die Dinge selbst sind aber deshalb als solche keine Stühle. Es wachsen in der Natur keine Stühle.
Das Gleiche gilt für das Gehirn. Man kann es als einen Computer interpretieren und die verschiedenen elektrischen und chemischen Vorgänge im Gehirn nach dem Modell eines Computers verstehen, doch dann sind wir es, die dies tun. Wir interpretieren bestimmte elektrische Impulse oder Stoffwechselvorgänge als Symbole im Sinne einer Informationsverarbeitung. Doch dies ist nicht das, was das Gehirn objektiv ist.
Searle sagt ganz richtig, dass Zustände mathematischer Berechnungen nicht in der Natur entdeckt werden, sondern der Natur zugesprochen werden.

Wie der Papst Thomas von Aquin verfälscht

Scholastiker - Wed, 03/01/2017 - 14:31


In seiner apostolische Exhortation Amoris Laetitia von Papst Franziskus, die unter Katholiken mehr als umstritten ist (um es einmal vorsichtig auszudrücken), verfälscht Papst Franziskus Aussagen Thomas von Aquins. Dies kann man auch als Philosoph nicht unwidersprochen hinnehmen. Zu theologischen Fragen äußere ich mich in diesem Blog im Allgemeinen nicht, es sei denn, sie betreffen direkt auch philosophische Fragen. Hinsichtlich von Amoris Laetitia könnte man von philosophischer Seite ganz allgemein sagen, dass es vom Naturrecht keine Ausnahmen gibt. Ein naturrechtliches Gebot wie die Unauflösbarkeit der Ehe (das sich bereits bei Aristoteles findet) gilt ausnahmslos und ist nicht dispensierbar. In der apostolische Exhortation des Papstes geht es allerdings um die theologische Frage, ob man Personen, die im dauernden Ehebruch lebe, die Sakramente erteilen darf oder nicht. Man kann hierzu in philosophischer Hinsicht vielleicht sagen, dass die Zulassung von Personen zu den Sakramenten, die in einer zweiten Ehe leben, obgleich die erste Ehe naturrechtlich noch weiterbesteht (sog. Geschiedene und Wiederverheiratete), voraussetzt, dass die Unauflöslichkeit der Ehe nicht ausnahmslos gilt. Doch darum geht es in meinem Beitrag nicht, sondern um die Verfälschung des hl. Thomas im Text des Papstes.


Dass es vom Naturrecht keine Ausnahme geben kann folgt aus der Tatsache, dass das Naturrecht aus der Natur des Menschen folgt. So wie die physikalischen Gesetze aus der Natur physischer Gegenstände folgen und unveränderlich sind, so folgen die moralischen Gesetze aus der Natur des Menschen und sind auch nicht änderbar und können nicht außer Kraft gesetzt werden.



Der Papst zitiert Thomas von Aquin aus der Summa theologicia in einer Weise, die den Gehalt des Textes geradezu ins Gegenteil verkehrt. Hier das Zitat des Papstes aus ST, I-II, q. 94, art. 4:


Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt. [Mithin liegt im Bereich der Schau dieselbe Wahrheit für alle vor, sowohl in den Grundsätzen wie in den Folgesätzen; freilich erkennen nicht alle die Wahrheit in den Folgesätzen, wohl aber in den Grundsätzen, die ‚allgemeine Erfassungen‘ (Boethius) genannt werden.] Im Bereich des Handelns liegt nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit im Spezifischen vor, sondern nur hinsichtlich des Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise bekannt […] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt.“


Der in der eckigen Klammer gesetzten Satz wird von Papst weggelassen, was aber noch kein schwerwiegendes Problem darstellt, obwohl es den Zusammenhang verdeutlicht. Thomas will hier sagen, dass die Ableitung moralisch richtiger Handlungen aus allgemeinen moralischen Prinzipien nicht immer einfach ist und umso schwieriger wird, je spezifischer die konkrete Handlung ist, auf die das Prinzip angewendet wird. Als Beispiel könnte man die Frage anführen, ob ein Ehemann, wenn er den „Playboy“ liest, Ehebruch begeht. Für einen verheirateten Mann, der das moralische Gesetz der Unauflöslichkeit der Ehe kennt, ist es offensichtlich, dass er Ehebruch begeht, wenn er mit einer Karnevalsbekanntschaft ins Bett geht. Ob er aber auch Ehebruch begeht, wenn er den Playboy liest, ist nicht offensichtlich (und bei diesem Beispiel handelt es sich auch nicht um Ehebruch).


Was macht jetzt Papst Franziskus aus diesem Zitat? Franziskus zieht das Zitat heran für seine eigenen Aussage:


Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, dass man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf; doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen.


Damit ist etwas ganz anderes gesagt, als das, was Thomas sagen wollte. Der Papst behauptet hier, zumindest implizit, dass die moralischen Gesetze vor allem in Ideal darstellen, an dem man sich orientieren sollte, dass dieses Ideal aber in „Sondersituationen“ nicht immer anwendbar ist. Das ist fast das Gegenteil dessen, was Thomas sagen wollte. Bei Thomas geht es nicht um „Formulierungen“ von „Vorschriften“. Die Grundsätze des Naturrechts sind nach Thomas aus der Natur des Menschen leicht erkennbar. Thomas geht es in dem obigen Zitat um das Problem, die richtigen Schlüsse aus der Anwendung allgemeiner und unveränderlicher Prinzipien zu ziehen, wie ich dies am zuvor genannten Beispiel verdeutlicht habe. Es geht hier um die Begrenztheit der menschlichen Erkenntnis bei der Anwendung allgemeiner Grundsätze auf bestimmte Situationen. Daher ist eine Bildung des Gewissens erforderlich, damit diese „Anwendungen“ gelingen. Thomas führt in dem Zusammenhang selbst Beispiele an. Muss ich einem Eigentümer, der mir einen Gegenstand geliehen hat, diesen Gegenstand auch dann zurückgeben, wenn ich sicher weiß, dass der Eigentümer damit gleich anschließend etwas Böses tun will? Begehe ich einen Diebstahl, wenn ich den Gegenstand nicht, oder zumindest nicht in dieser Situation zurückgebe, in der der Eigentümer ihn zurückverlangt um damit etwas Unmoralisches zu tun? Dies ist das „Spezifische“ von dem Thomas im obigen Zitat spricht. Wenn man in solchen Fällen zu falschen Schlussfolgerungen kommt, dann beruht dies nach Thomas auf einer Beeinträchtigung des Verstandes durch Leidenschaften, schlechten Gewohnheiten oder einer pervertierten Vernunft. Thomas meint aber nicht, dass ein moralisches Naturgesetz selbst unzureichend „formuliert“ ist, zumal das Naturrecht gar keine „Formulierungen“ benötigt, da es in die „Herzen der Menschen“ eingeschrieben ist. Der Fehler liegt hier beim Handelnden und nicht beim Moralgesetz.


Die Art und Weise mit Texten Thomas von Aquins umzugehen, die eigentlich eines Papstes unwürdig sein sollte, ist schon seit langem im kirchlichen Bereich und auch außerhalb desselben verbreitet. Er findet sich vor allem bei einer „thomistischen“ Richtung, die oft als „Transzendentalthomismus“ bezeichnet wird und bis in die 1930er Jahre zurückreicht. Bekanntester Vertreter dieser Schule ist Joseph Maréchal, der mit anderen Transzendentalthomisten die Philosophie Immanuel Kants mit Thomas von Aquin versöhnen wollte, wohl auch, um in der Philosophie der Gegenwart besser anzukommen. Das Ergebnis war eine völlig neue Philosophie, die mit Thomas kaum noch etwas gemein hatte, allerdings sich stets auf Thomas berief und zwar in einer Thomas von Aquin massiv verfälschenden Art und Weise. Maréchal war übrigens wie der Papst Jesuit. Innerkirchlich wurde diese Philosophie insbesondere durch einen dritten Jesuiten wirkungsmächtig: Karl Rahner, der wie kaum ein anderer für die Neuerungen innerhalb der Kirche der letzten 50 Jahre verantwortlich ist.


Probleme wie der Umgang des Papstes mit Texten nicht nur Thomas von Aquins und massiven Änderungen und Brüchen in der kirchlichen Lehre, wie sie in Amoris Laetitia ihren bisher schlimmsten Ausdruck gefunden haben, beruhen letztlich darauf, dass man die scholastische Philosophie aus der Kirche und aus den kirchlichen Lehranstalten verbannt hat. An deren Stelle sind heute oftmals die empirischen Wissenschaften, wie Soziologie, Psychologie, Linguistik und Methoden wie die Hermeneutik getreten, die nicht annähernd das ersetzen können, was durch die scholastische Philosophie verloren gegangen ist. 

Metaphysische Voraussetzungen einer objektiven Moral

Scholastiker - Tue, 02/28/2017 - 09:45


Wenn man eine objektive, realistische Moraltheorie verteidigen will, dann geht dies nur auf der Grundlage einer Metaphysik. Die Metaphysik ist die Wissenschaft vom Seienden als Seienden (Aristoteles). Sie untersucht alles, was gibt, ausschließlich in Hinsicht darauf, dass es existiert. Wenn man nach einer objektiven Moral fragt, dann muss man zunächst die Frage klären, ob es so etwas wie objektive, von uns unabhängige moralische Tatsachen gibt, bzw. falls es solche moralischen Tatsachen geben sollte, worin diese bestehen. Die natürliche Ethik hat vor allem zwei metaphysische Voraussetzungen: sie ist essentialistisch und teleologisch. Hierin unterscheidet sie sich von fast allen anderen Moraltheorien.


Letztlich beruht die natürliche, aristotelisch-thomistische Ethik auf der Natur des Menschen. Sie geht davon aus, dass der Mensch ein Wesen hat, eine unveränderliche, beständige Natur, aus der sich die Maximen seiner Handlung ergeben. Dies beruht auf dem alten scholastischen Prinzip agere sequitur esse, dass Handeln folgt aus dem Sein. Der Mensch handelt wie ein Mensch und nicht wie ein Huhn oder eine Eiche. Die Tätigkeiten des Menschen sind menschliche Tätigkeiten, d.h., sie folgen aus der Natur des Menschen. Daher ist der Essentialismus, die Auffassung, dass alle Dinge ein Wesen bzw. eine Natur haben, die erste und wichtigste Voraussetzung einer natürlichen, objektiven Ethik. Diese Ethik ist objektiv, weil sich die moralischen Urteile aus dieser Natur des Menschen ergeben, die selbst objektiv ist, die nicht von uns geschaffen oder konstruiert wurde.
Diese Natur des Menschen wurde bereits von Aristoteles definiert als rationales Sinneswesen. Als Sinneswesen gehört der Mensch in den Bereich der materiellen Dinge, er hat einen belebten Körper wie die Tiere. Aber er ist kein Tier. Alle Bestimmungen des Menschen werden überformt durch seine Rationalität. Der Mensch hat zumindest das Vermögen zur Rationalität, wenn dieses Vermögen auch nicht immer aktualisiert wird. Ein Embryo oder ein Säugling ist ebenso ein vernunftbegabtes Sinneswesen, wie eine ihren Mittagsschlag haltende 35-jährige Mutter, obwohl keine dieser Person ihre rationalen Vermögen aktualisiert hat. Aber alle Menschen, insofern sie Menschen sind, haben das Vermögen zur Rationalität, dass sie unter bestimmten Bedingungen aktualisieren. Die Antwort auf die Frage, was denn Rationalität ist, ist sehr umfangreich. Aber kurz und allgemein gesagt besteht Rationalität vor allem im Vermögen zur Abstraktion. Wir Menschen sind grundsätzlich in der Lage, allgemeine Entitäten, z.B. Wesenheiten, aber auch Begriffe wie „Gerechtigkeit“, „Freiheit“ oder „Glück“ zu erfassen. Wir können dann solche Begriffe miteinander kombinieren und Sätze bilden, wie den Satz „Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Sinneswesen“ und wir können durch die Verbindung solcher Sätze Schlüsse ziehen, wie z.B.: Alle Menschen sind vernunftbegabt. Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates vernunftbegabt. Alle menschlichen Tätigkeiten und Vollzüge sind letztlich durch dieses Vermögen zur Rationalität bestimmt und deshalb isst der Mensch anders als Tiere, deshalb wohnt er anders als Tiere und deshalb hat der Mensch Sprache. Sprache ist etwas wesentlich anderes als die Kommunikation bei Tieren, weil sie Abstraktion zur Voraussetzung hat, die sich bei Tieren nicht findet.
Die zweite Voraussetzung einer objektiven Ethik ist die Teleologie. Die Teleologie geht davon aus, dass zumindest alle Lebewesen bei ihren Tätigkeiten objektive Ziele und Zwecke verfolgen. Dazu habe ich im Blog schon eine Reihe von Beiträgen veröffentlicht (z.B. hier und hier). Jede Tätigkeit geschieht um eines Zieles oder Zweckes willen, ist ein scholastisches Prinzip. Einerseits gibt es die Ziele und Zwecke, die wir uns selbst setzen können. Dies sind mehr oder weniger subjektive Zwecke. Es gibt aber auch Ziele und Zwecke, die wir uns nicht selbst gesetzt haben, sondern die sich aus unserer Natur, aus unserer Wesenheit ergeben und die deshalb objektiv vorgegeben sind. Bei allen Lebewesen sind die Selbst- und Arterhaltung solche grundlegenden objektiven Ziele, die sich z.B. bei Tieren im Fluchtinstinkt oder im Nestbau äußern. Auch beim Menschen gehören die Selbst- und Arterhaltung zu den objektiven Zwecken, die allerdings auch hier sich deutlich von denen der Tiere unterscheiden, weil sie rational bestimmt sind. Der Mensch treibt Gesundheitsfürsorge und entwickelt dazu z.B. die pharmazeutische Industrie und ein Netz von Apotheken und vieles andere mehr. Ab einem bestimmten Alter interessiert sich der Mensch für das jeweils andere Geschlecht, letztlich mit dem Ziel, eine Familie zu gründen. Diese Ziele und Zwecke sind uns innerlich; wir haben sie uns nicht selbst gesetzt, sondern sie gehören zum Bestand unserer Ausstattung als Menschen. Sie machen und geneigt, dieses oder jenes zu tun.
Die natürliche Ethik behauptet nun, dass diese fundamentalen Ziele und Zwecke, die sich aus der Natur des Menschen ergeben, immer ein Gut darstellen und dass sie sogar das im eigentlichen Sinne Gute für den Menschen sind. Sie sind deshalb ein Gut, weil sie einen entscheidenden Beitrag zur Vervollkommnung unserer Natur leisten. Jede Tätigkeit oder Handlung die auf die Vervollkommnung der menschlichen Natur als eines rationalen Sinneswesens gerichtet ist, ist gut. Eine Handlung bei der dies nicht der Fall ist, ist nicht gut, sondern böse. Darin gründet der objektive Begriff des Guten, den ich in einem früheren Blogbeitrag vorgestellt habe. Was für uns wirklich gut ist, liegt nicht in unserem persönlichen Belieben und ist bloße Geschmackssache. Was wirklich gut ist, lässt sich objektiv bestimmen. Meist ist es so, dass wir selbst geneigt sind, dieses objektiv Gute zu erstreben. Doch dies gilt nicht immer und überall, im Unterschied zu den Tieren, die zumindest im Prinzip immer das Richtige tun, um ihre Wesenheit zu vervollkommnen. So ist es für den Menschen gut, zu essen, denn dies dient der Erhaltung seiner Gesundheit und letztlich der Erhaltung seines Lebens. Doch diese Neigung zu essen kann über ein gesundes Maß hinaus gehen und dann werden wir krank, zumindest dann, wenn wir dauerhaft zu viel essen und uns von den Genüssen beherrschen lassen, anstatt rational zu essen. Dauerhaft zu viel zu essen, ist noch nicht unbedingt moralisch schlecht, es ist aber gleichwohl etwas für uns Schlechtes, weil es uns krankmacht und das Gegenteil zur Vervollkommnung der menschlichen Natur darstellt.
Von hier aus können wir nun etwas zur Natur des Guten sagen. Es gibt das Gute, dass wir mit allen anderen Lebewesen teilen, wie die schon erwähnte Selbst- und Arterhaltung. Darüber hinaus gibt es Güter, die wir mit allen Tieren gemeinsam haben, z.B. die Fortpflanzung und Erziehung des Nachwuchses und schließlich gibt es spezielle Güter, die nur uns als Menschen eigen sind, wozu z.B. Thomas von Aquin und auch Aristoteles das Leben in Gemeinschaft zählt, weiterhin die Freundschaft, die Beseitigung der Unwissenheit und das Streben nach Erkenntnis usw. Dazu werde ich später etwas mehr schreiben.

Erster Aquinas Workshop

Scholastiker - Mon, 02/13/2017 - 14:45


Das Institut für Thomistische Philosophie hat sich diesmal etwas Besonderes einfallen lassen. Nachdem sowohl die Sommerakademie im vergangenen Jahr als auch die für Ende dieser Woche geplante Winterakademie durch zu geringe Teilnehmerzahlen nicht zustande kamen, ist das iTP jetzt eine Kooperation mit dem Kölner Lindenthal-Institut eingegangen und veranstaltet an einem Oktoberwochenende in Köln einen Workshop mit einem Call for Papers, bei dem auch Studierende einen Vortrag halten können.


Einer der wichtigsten Gründe für das Nichtzustandekommen der Akademien dürften die für Studierende relativ hohen Kosten über die Teilnahme und Übernachtung gewesen sein, zumal die Akademie sechs Tage dauern sollte.
Deshalb hat man sich jetzt wohl zu einem Workshop entschlossen und dabei zugleich ein anderes Institut mit ins Boot geholt, das auch über die räumlichen und logistischen Möglichkeiten für Tagungen verfügt. Dadurch konnten die Kosten, insbesondere für Studierende (29 Euro) offenbar klein gehalten werden.
Das Programm ist in der Tat sehr interessant. Thematisch geht es um die Philosophie des Geistes und zwar, wie für einen thomistischen Workshop zu erwarten, um den Hylemorphismus, also um die aristotelische Theorie von Form und Materie in der Anwendung auf die Frage nach dem Verhältnis des Mentalen zum Körperlichen beim Menschen.
Anders als bei den geplanten Akademien wird es nur einen Referenten geben, den Bonner Theologen und Philosophen PD Dr. Klaus Obenauer. Doch der Samstag ist weitgehend für Referate reserviert, zu denen im Prinzip jeder eingeladen ist. Das Institut ruft zu einem sogenannten „Call for Paper“ auf: Studierende und Andere sind eingeladen einen Vortrag einzureichen. Dazu sollten die Interessenten eine Kurzfassung ihres Vortrags (1000 Worte) an das Institut schicken (bis zum 15. August). Hier wird dann von Fachphilosophen entschieden, ob der Vortrag geeignet ist, öffentlich während des Workshops gehalten zu werden. Studierende haben dadurch z.B. die Möglichkeit, ihr Promotionsprojekt oder auch nur eine Bachelor-Arbeit vorzustellen, sofern diese zum Thema des Workshops passt. Die anwesenden professionellen Philosophen, insbesondere der Hauptreferent aber auch Dr. Rafael Hüntelmann, der geschäftsführende Direktor des Instituts, können so in der an das Referat anschließenden Diskussion möglicherweise wertvolle Hinweise geben.
Durch diese Beteiligung der Teilnehmer am Workshop dürfte sich die Teilnehmerzahl deutlich erhöhen, wodurch auf die Begrenzung auf 30 Teilnehmer verständlich wird. Scholastiker empfiehlt den Interessenten daher, sich möglichst bald anzumelden.
Der Workshop findet statt von Freitag, den 13. Oktober (Thomisten sind offensichtlich nicht abergläubisch) bis Sonntag, den 15. Oktober 2017. Da die Millionenstadt Köln, was Übernachtungen angeht, nicht gerade billig ist, bietet das Institut einen Vermittlungsservice für günstige Übernachtungsmöglichkeiten.
Alle Informationen zum 1. Aquinas Workshop mit demonline-Anmeldeformular gibt es hier. Dort gibt es auch die Informationen zur Anmeldung eines Vortrags.

Objektiv moralisch gut

Scholastiker - Thu, 02/09/2017 - 20:16


Wenn wir über moralische Fragen streiten, dann setzt dies eigentlich voraus, dass es eine objektive Wahrheit auch in moralischen Fragen gibt. Eigentlich. Doch seit Jahrhunderten wird von Seiten der meisten Philosophen gerade das bestritten. Wenn sie nicht wie David Hume behaupten, dass es bei moralischen Diskussionen nur darum geht, die persönlichen Vorlieben gegenüber anderen durchzusetzen, dann sind sie doch fest überzeugt, dass moralische Fragen kein Fundament in der uns umgebenden Wirklichkeit haben, sondern bestenfalls in der Übereinstimmung einer Mehrheit von Menschen. Im vorherigen Blogbeitrag habe ich dafür argumentiert, dass „gut“ eine objektive, von uns unabhängige Qualität ist. Allerdings habe ich noch keine Argumente dafür angeführt, dass es auch ein objektiv moralisches Gut gibt, aus dem sich moralische Rechte und Pflichten ergeben.


Unter „objektiv“ verstehe ich, um dies zuvor noch einmal zu wiederholen, solche Rechte und Pflichten, die aus der dritten Person Perspektivebestehen, die also unabhängig von persönlichen Präferenzen und Wünschen bestehen.
Von woher ergeben sich solche objektiven Rechte und Pflichten? Sie müssen ein ontologisches Fundament haben, d.h. sie müssen in dem gründen, was der Mensch als Mensch ist, sie müssen in der Natur oder dem Wesen des Menschen ihren Grund haben. Nehmen wir ein schlichtes Beispiel: Wie bei den allermeisten Tieren gehört es zum Menschen, dass er etwas trinke muss. Er hat Durst. Daraus folgt, dass er dieses Bedürfnis erfüllen muss, um am Leben zu bleiben, um sich zu erhalten. Wenn wir dies verallgemeinern, dann können wir sagen, dass jede Handlung und auch die freien menschlichen Handlungen, danach streben, etwas zu verbessern. Wer Durst hat, der sucht sich etwas, dass er trinken kann um so den Zustand des Durstes zumindest vorübergehend zu verbessern, den Durst zu stillen. Dieses Beispiel ist allerdings noch nichts spezifisch Menschliches. Auch Tiere trinken und verbessern dadurch ihren Zustand. Aus folgt aus der animalischen Natur der Lebewesen, dass sie trinken müssen. Dieses Bedürfnis hängt also mit der Natur der Lebewesen zusammen. Die Natur ist auch beim Menschen das ontologische Fundament für seine Rechte und Pflichten. Der Mensch hat als Sinneswesen das Recht, zu trinken. Nun, das ist nicht besonderes und unterscheidet uns auch nicht von den Tieren.
Das, was objektiv moralisch gut ist, ergibt sich aus der Natur des Menschen, aus seinem Wesen als Mensch. Und was ist das Wesen, die Natur des Menschen? Mit den Tieren hat der Mensch gemeinsam, dass er ein Sinneswesen ist. Dies ist der Gattungsbegriff. Doch er unterscheidet sich fundamental von den Tieren dadurch, dass er rational ist, dass er zumindest dem Vermögen nach Vernunft besitzt. Deshalb wird der Mensch schon seit der Antike als rationales Sinneswesen definiert, als vernunftbegabtes Sinneswesen. Das was moralisch gut für den Menschen ist, ergibt sich deshalb und in erster Linie aus seiner rationalen Natur. Auch wenn sehr viele Bedürfnisse des Menschen den Bedürfnissen der Tiere sehr ähnlich sind, so sind sie doch dadurch von den tierischen Bedürfnissen wesentlich verschieden, weil sie durch die Rationalität bestimmt werden. Der Mensch trinkt nicht einfach nur, um den Durst zu löschen, sondern mit dem Trinken sind kulturelle und soziale Bedürfnisse verbunden. Wir trinken nicht einfach aus einer Pfütze oder einem Fluss, sondern aus einem Glas oder einer Tasse. Wir brauen Bier und keltern Wein, um diesen zu genießen usw. Alles was der Mensch tut, ist durch die Rationalität überformt.
Durch unsere rational geleiteten Handlungen versuchen wir, unser Leben und letztlich unsere Natur zu verbessern oder zu vervollkommnen. Wir haben nicht nur einfach unser Wesen, sondern wir müssen diesen Wesen, diese unsere Natur ständig vervollkommnen, sie ist nicht nur gegeben, sondern aufgegeben. Und daraus ergibt sich nun das, was für den Menschen gut ist. Objektiv gut für den Menschen ist, ganz einfach gesagt das, was ihn „menschlicher“ macht, was zur Entfaltung, zur Vervollkommnung seiner menschlichen Natur beiträgt. Und so ist umgekehrt das schlecht oder böse, was der menschlichen Natur schadet, was diese nicht zur Entfaltung bringt, sondern verkümmern lässt. Das Maß für das, was für den Menschen objektiv gut ist, ist also die menschliche Natur. Und diese Natur haben wir uns nicht selbst gegeben, wir haben uns nicht als Menschen erschaffen und wir haben auch nicht bestimmt, was der Mensch ist. Nietzsche hat nicht recht, wenn er meint – was heute viele postmoderne und konstruktivistische Philosophen meinen -, dass der Mensch das „nicht festgestellte Tier“ ist. Das was der Mensch ist, steht fest und dies ist das Maß für das, was für den Menschen gut ist und es ist das Maß für die Ziele und Zwecke, die der Mensch verfolgen sollte, um seine Natur zu erfüllen, um menschlich zu werden oder anders gesagt, seine Natur, sich selbst zu verwirklichen im richtig verstandenen Sinne von „Selbstverwirklichung“.
Aus der menschlichen Natur als rationalem Sinneswesen ergeben sich objektive Ziele und Zwecke. Tiere und Pflanzen haben ebenfalls objektive Ziele und Zwecke, die sie in ihren Tätigkeiten verwirklichen. Doch sie können nicht anders, als das zu tun, was ihnen von ihrer Natur her vorgegeben wird. Sie verfolgen ihre Ziele und Zwecke aus einem inneren Antrieb und erreichen ihre Ziele in den meisten Fällen. Beim Menschen ist dies anders und daran liegt es letztlich, dass der Mensch moralisch oder unmoralisch handeln kann. Der Mensch muss, oder besser, kann seine Ziele frei verfolgen. Doch dabei kann es sich auch irren. Er kann etwas für gut halten, was in Wirklichkeit nicht gut ist und seiner Natur schadet. Bei Kindern, deren Vernunft noch nicht voll ausgebildet ist, kennen wir dies. Wenn die Eltern dem Kind nicht sagen, dass nach einem Eis Schluss ist, würde es soviel Eis essen, bis ihm übel wird und es Kopfschmerzen bekommt. Einem jungen Tier würde so etwas nicht passieren. Doch nicht nur bei Kindern gibt es eine mangelnde Erkenntnis der Folgen ihres Tuns, sondern auch bei Erwachsenen. Unvollständige Erkenntnis kann dazu führen, dass wir etwas für gut halten und danach streben, obwohl es objektiv schlecht und böse ist. Es gibt aber auch verschiedene andere Gründe, warum wir Böses tun. Ein häufiger Grund ist die Willensschwäche. Wir wissen zwar, dass diese bestimmte Handlung moralisch böse ist, doch wir tun es trotzdem, weil die Versuchung so stark ist, dass wir nicht widerstehen können.
So viel zunächst zur Antwort auf die Frage, ob es auch ein objektiv moralisches Gut gibt. Das Argument sieht kurz gefasst folgendermaßen aus:
1.     Es gibt eine objektive menschliche Natur 2.     Aus der Natur einer Entität folgen objektive Ziele und Zwecke 3.     Auch aus der menschlichen Natur (rationales Sinneswesen) folgen objektive Ziele und Zwecke 4.     Die Ziele und Zwecke, die aus der Natur folgen, sind das objektiv Gute

Gibt es ein objektiv Gutes?

Scholastiker - Mon, 01/30/2017 - 20:59
Um eine realistische Ethik begründen zu können, ist vor allem eins nötig: ein objektiver Begriff des Guten. Was bedeutet objektiv? Unter „objektiv“ in diesem Zusammenhang verstehe ich ein Begriff des Guten, der nicht abhängig ist von irgendeiner Festlegung, sei diese nun individuell oder sozial, d.h. über eine Mehrheit und sei diese Mehrheit auch 100%. Es kann eine hundertprozentige Übereinstimmung in einer Sache geben, ohne dass diese Sache deshalb auch objektiv den Tatsachen entspricht. Objektiv meint also unabhängig von unseren persönlichen Vorlieben. Ob jemand gerne Grünkohl isst oder nicht, ist ein subjektives Geschmacksurteil und nicht objektiv. Es gibt viele Dinge in unserem Leben, die nicht objektiv feststellbar sind. Ob Grünkohl gut schmeckt oder nicht gehört zu diesen subjektiven Angelegenheiten. Die meisten Menschen aber auch die meisten Moralphilosophen werden auch der Auffassung sein, dass moralische Urteile letztlich subjektiv sind, wobei diese Subjektivität nicht individualistisch verstanden werden muss. Unsere Frage aber lautet, ob das, was wir als „gut“ bezeichnen, objektiv, also unabhängig von uns, bestimmt werden kann.


Meine These, die ich in diesem Beitrag verteidigen möchte, lautet:
Es gibt einen objektiven Begriff des GutenZum Beweis dieser These zunächst einige Beispiele: Nehmen wir verschiedene Kreise. Ein Kreis wird mit einem Stück Kreide schnell an die Tafel gezeichnet. Ein anderer Kreis wird freihändig, aber sorgsam, mit dem Bleistift auf Papier gezeichnet, einen weiteren Kreis zeichnen wir mit einer Schablone auf ein Blatt Papier und einen vierten Kreis konstruieren wir mit einem Grafikprogramm am Computer. Wenn ich Sie nun frage, werden Sie vermutlich übereinstimmend zu der Überzeugung kommen, dass der mit dem Grafikprogramm am Computer konstruierte Kreis der beste Kreis ist. Es ist ein wirklich guter Kreis. Worauf beruht diese Überzeugung? Ist sie nur subjektiv, von Ihrem Geschmack abhängig, durch Gewohnheit angelernt etc. Nein! Wir halten diesen vierten Kreis für gut, weil er objektiv gut ist. Doch worauf beruht es, dass dieser Kreis unabhängig von unserer Überzeugung oder Meinung gut ist? Es beruht darauf, dass dieser vierte, mit dem Computer konstruierte Kreis dem am meisten oder am besten entspricht, was ein objektiver Kreis ist. Ein objektiver oder sozusagen „vollkommener“ Kreis ist ein solcher, wie er durch die Definition des Kreises bestimmt wird, nämlich als eine geometrische Figur, deren Punkte einer Linie alle genau gleich von einem Mittelpunkt entfernt sind. Der mit dem Computer konstruierte Kreis kommt dieser Definition am nächsten. Wir bezeichnen einen Kreis nämlich als gut, der dem Wesen, der Definition des Kreises am nächsten kommt.Dies gilt nicht nur vom Kreis, sondern auch von anderen Dingen. Ein guter Baum ist ein solcher Baum, der tief in der Erde wurzelt und seine Nährstoffe auf größeren Tiefen auch dann erreicht, wenn es lange Zeit trocken ist; der kräftige und starke Äste ausgebildet und der gerade nach oben gewachsen ist und der im Frühjahr zahlreiche Blätter bildet und im Sommer oder Herbst viele Früchte trägt, durch die er sich vermehrt. Ein solcher Baum entspricht dem, was ein Baum objektiv ist, am meisten entspricht, er entspricht dem Wesen des Baumes.
Ich könnte noch zahlreiche weitere Beispiele wählen – ein guter Löwe, ein gutes Fahrrad oder ein gutes Auto – bei denen, wenn wir sie genau bedenken, immer deutlich werden wird, dass wir die Qualität „gut“ diesen Dingen genau dann zusprechen, wenn sie dem Wesen der jeweiligen Sache entsprechen. Dinge können dem Wesen einer Sache weniger gut entsprechen. Ein Baum kann sehr oberflächlich wurzeln, schwache Äste bilden, die einem Sturm kaum standhalten etc. Einen solchen Baum wird ein Forstwirt als schlechten Baum bezeichnen und über kurz oder lang aus dem Bestand aussortieren. Schlecht ist dieser Baum, weil er dem, was ein Baum ist, weniger gut entspricht. Beim Fahrrad oder dem Auto spielen natürlich auch subjektive Kriterien eine Rolle, denn dabei handelt es sich um Artefakte, die in ihrer Existenz vom Menschen abhängig sind. Aber auch hier gibt es allgemeine Bestimmungen, die jedes Exemplar dieser Artefakte erfüllen muss, um objektiv gut zu sein.
Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass es offenbar einen objektiven Begriff des Guten gibt. Dieser objektive Begriff des Guten, dies sollte aus dem Beispielen deutlich werden, ergibt sich aus einem objektiven, von uns unabhängigen Etwas. Dieses Etwas ist das Wesen des Dinges, von dem die Rede ist. Ein guter Kreis ist ein solcher, der dem Wesen des Kreises entspricht. Ein guter Löwe ist ein solcher, der dem Wesen des Löwen entspricht. Natürlich entspricht jeder Löwe dem Wesen des Löwen, sonst wäre es natürlich kein Löwe. Das Gleiche gilt von Kreisen oder Bäumen oder was auch immer. Und insofern etwas seinem Wesen entspricht, können wir es auch als gut bezeichnen. Aber bestimmte Vorkommnisse einer Art entsprechen ihrer Art besser als andere und von diesen sagen wir im allgemeinen, dass sie gut sind. Das Beispiel mit dem Löwen stammt übrigens von der Moralphilosophin Philippa Foot, die ebenfalls dafür argumentiert hat, dass es einen objektiven Begriff des Guten gibt, der sich aus der Natur, dem Wesen einer Sache ergibt. Sie meint, dass eine Löwin, die für ihre Jungen ausreichend Nahrung besorgt, indem sie erfolgreich jagt, die ihre Jungen vor Angreifern beschützt und ihnen das Jagen beibringt, eine gute Löwin ist. Eine Löwin, die dies nicht tut, die ihre Jungen vernachlässigt und zuerst für sich selbst sorgt, die wenig erfolgreich bei der Jagd ist usw., ist eine schlechte Löwin. Diese Beurteilungen sind objektiv, sie ergeben sich aus der Natur des Löwen. Es gehört zur Natur einer Löwin, möglichst viele Jungen durchzubringen, und deshalb ist eine gute Löwin eine solche, die dabei erfolgreich ist.
In diesem Beitrag wollte ich die Frage beantworten, ob es einen objektiven Begriff des Guten gibt. Ich habe die These verteidigt, dass es in der Tat einen solchen objektiven Begriff des Guten gibt. Das Argument, mit dem ich diese These verteidigt habe, besteht in dem Hinweis auf das Wesen, die Natur einer Sache. Etwas ist objektiv gut genau dann, wenn es dem Wesen der Sache entspricht. Der Begriff des Guten wird somit definiert durch „entspricht dem Wesen (der Natur) von X“.
In einem früherenBlogbeitrag habe ich auf eine sprachliche Analyse des Wortes „gut“ des Logikers Peter Geach hingewiesen, der gezeigt hat, dass „gut“ kein normales Attribut ist, wie blau oder „hat ein Fell“ oder andere prädikative Adjektive. Vielmehr hat Peter Geach herausgestellt, dass „gut“ ein attributives Adjektiv ist, d.h., die Bedeutung von gut lässt sich nur verstehen, wenn man das Wesen, die Natur oder den Zweck einer Entität kennt, von der man sagt, dass sie gut ist. In genannten Beitrag habe ich das weiter erläutert und muss es deshalb hier nicht wiederholen.
Mit all dem habe ich freilich noch nicht bewiesen, dass es auch ein moralisch objektives Gut gibt. Man könnte der Meinung sein, dass selbst, wenn man mit dem, was ich gerade über den objektiven Begriff des Guten gesagt habe, übereinstimmt, dies nicht bedeutet, dass das moralisch Gute ebenfalls objektiv ist. Um die These zu verteidigen, dass es ein moralisch objektives Gutes gibt, bedarf es eines weiteren Arguments, Doch dazu später mehr.


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